Abschied von Nigeria

Abschied von Nigeria
29.07.2011

Das war's. Drei Jahre Nigeria sind vorbei. Mit einer Serie von Abschiedsfesten haben wir uns von den Freunden in Abuja verabschiedet. Ich habe viel über mich gelernt in Nigeria. Die Probleme Deutschlands sind verblasst vor den Herausforderungen mit denen Afrika täglich kämpft. Nigeria und seine Bewohner sind zweifelsohne besondere Charaktere. Doch missen möchte ich die Erfahrung Leben in Afrika nicht, ich würde den Schritt jederzeit wieder wagen. Doch jetzt lerne ich erst einmal wieder in Berlin zurecht zu kommen und fürchte mich schon jetzt vor meinem ersten Winter seit vier Jahren.


Die Hochzeit zu Kaduna

Die Hochzeit zu Kaduna
19.03.2011

Endlich hat es geklappt, wir wohnten einer Hochzeit in der Tradition der Yoruba bei. Einen Monat bevor das zentralnigerianische Kaduna wieder von gewaltsamen Unruhen geplagt wurde, denen hunderte Menschen zum Opfer fielen, haben wir dort noch hübsch gefeiert. Mary und Claudi haben sich ihre immer währende Liebe versprochen. Das Foto zeigt den Einmarsch der Braut-Familie.


Die Eltern auf Besuch

Die Eltern auf Besuch
03.12.2010

Nachdem sich der Vater bereits 2009 zu einer Reise in das Herz des schwarzen Kontinents entscheiden konnte, hat er nun auch die kleine Mutti mit nach Nigeria gebracht. Natürlich hatte sich die Mutti Sorgen um den Sohn gemacht, so irre viel Gutes liest man über Nigeria nicht in der Zeitung. Doch nach ihrem Besuch konnte sie die Risiken aus erster Hand einschätzen und war fortan viel beruhigter. Da sitzt sie an unserem Früstückstisch und der Vater knipst.


Afi Mountain in Cross River State

Afi Mountain in Cross River State
16.11.2010

Am Afi Mountain im südnigerianischen Bundesstaat Cross River wurde sich ganz fest an den Busen von Mutter Natur gedrückt. Hier leben Schimpansen und Gorillas in den von uns intensiv bewanderten Wäldern. In einer Hütte aus Holz und Fliegengitter schliefen wir mitten im Dschungel. Ohropax wurde nicht benutzt denn die nächtlichen Geräusche des Urwalds sind geiler als IMAX. Alles raschelt und knistert. In gleichmäßen Abständen vergewissern sich mittels lauten Gebrülls die in den Bäumen schlafenden Schimpansen dass die Truppe noch vollzählig ist. Die Luftfeuchtigkeit ist kaum erträglich, Sandflöhe bei▀en und geduscht wird unter einer abenteuerlichen Wasserauffang-Konstruktion im Unterholz. Für mich der schönste Flecken Nigeria den ich in drei Jahren erlebte.


Auf Safari

Auf Safari
27.06.2010

»Ach, in Yankari gibt's doch auch keine Wildnis mehr«, hatte man uns erzählt. Und doch sind wir im gleichnamigen Nationalpark im Osten Nigerias von Affen ausgeraubt und von Elefanten fast zu Tode getrampelt worden. Die Fußspuren, die uns während unserer Wanderung so in Atem hielten, gehörten Löwen. Die Herren Ranger waren schockiert als sie hörten, dass wir ohne Begleitung und Knarre im Park hiken waren. Wir und unsere Freunde Bert und Janneke hatten ein super Wochenende. Wegen der Elefantenkacke waren auch Fliegen zahlreich vorhanden, gegen die ein munter geschwungener Ast des Niembaumes Linderung verhieß. Einen solchen schwinge ich.


Der Künstler und sein Manager

Der Künstler und sein Manager
16.05.2010

Über verschwurbelte Umwege bin ich zum Manager des nigerianischen Malers [Ben Ibebe] geworden. Und was ein tüchtiger Manager ist, der promotet seinen Künstler in einer ordentlichen Werkschau. An einem Wochenende haben wir soviel verkauft, dass ich mir endlich mein Lieblingswerk des Artisten leisten konnte. Hängt nun bei uns inne Wohnstube.


Expedition Goldküste

Expedition Goldküste
01.01.2010

An Neujahr bei 35 Grad im T-Shirt schwitzen, danach stand uns der Sinn. Also sind wir nach Ghana zu Bert und Janneke geflogen. Urlaub an der Goldküste - wunderschön. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben einen Urwald erlebt, ein 330 Jahre altes brandenburgisches Sklavenfort besucht, Kokosmilch aus der Frucht geschlabbert, Fischern beim Fang eines Hais geholfen und eine Meeresschildkröte gerettet. Bei der Fahrt im Einbaum auf dem Ankobrafluss war ich keineswegs entspannt, denn der Kahn leckte gewaltig und die Krokodile beobachteten uns gierig.


Mein Hut, der hat drei Ecken

Mein Hut, der hat drei Ecken
17.09.2009

Nach nur zehn Monaten ist meine Arbeitserlaubnis für Nigeria fertig bearbeitet und gleich wird losgerackert. Kabelziehen beim deutschen Baukonzern Bilfinger-Berger lautete der Auftrag. Das Busselchen hat seine nigerianischen Arbeitnehmer instruiert, riesige Kabeltrommeln dirigiert, Ersatz für einen havarierten Traktor organisiert, Löhne gezahlt, unterm Helm ordentlich gedampft und natürlich irre cool ausgesehen.


Poliklinik auf nigerianisch

Poliklinik auf nigerianisch
08.09.2009

Immer wieder besuchen wir nigerianische Krankenhäuser auf dem Lande. Nicht weil wir so oft krank sind, sondern weil die meisten von ihnen ausschließlich von ausländischer Hilfe leben. Mal bringen wir ein paar neue Betten, mal überprüfen wir, ob die gespendeten Moskitonetze nicht zweckentfremdet wurden, mal geht es einfach nur um Hände schütteln, Anerkennung aussprechen, zeigen, dass die Welt die Menschen dort nicht völlig vergisst. Manches Krankenhaus ist weit gekommen durch die Unterstützung aus dem Ausland, andere präsentieren sich in katastrophalem Zustand. Hühner und Ziegen laufen allerdings eigentlich überall durch Operations- und Schlafräume. Hier sieht man die Abteilung »Krankengymnastik« im Hospital im Städtchen Mangu.


Beim Gbong Gwom in Jos

Beim Gbong Gwom in Jos
07.09.2009

Mit zehn Monaten Verspätung sind wir in der zentralnigerianischen Stadt Jos eingetroffen. Als wir erstmalig dorthin aufbrechen wollten, brachen just an jenem Tag politisch-religiöse Unruhen in der Region aus. Fast tausend Menschen verloren an einem Wochenende ihr Leben. Daher hat die niederländische Botschaft ein Friedensprojekt an der Uni Jos ins Leben gerufen, welches wir beim lokalen König, dem in der Bildmitte sichtbaren Gbong Gwom, vorstellen durften. Dieser Herr ist einer von dutzenden traditionellen Führern, deren Wort beim Mann auf der Straße mehr Gewicht hat als das der Regierung. Vom Gbong Gwom empfangen zu werden ist folglich eine große Ehre.


Gurara Falls in der Regenzeit

Gurara Falls in der Regenzeit
05.09.2009

Am 7. März hatte ich Euch bereits ein Bild von den Gurara Falls in der Nähe Abujas gezeigt. Von etwa Oktober bis April herrscht die Trockenzeit, in der Region fällt dann beinahe kein Tropfen Regen, das Thermometer schwingt sich tagsüber bis auf 40 Grad - sechs Monate lang. Und dann kommt er, der erste Regen, meist Anfang April. Die Natur erwacht und auch unser sonst so bescheidenes Guraraflüsschen dreht jetzt richtig auf. Es ist ein tosender Strom geworden. Ihn nur noch bis zum Knie zu betreten wäre jetzt tödlich, alles und jeder würde mitgerissen. Und auch die Grüne Mamba, eine der giftigsten Schlangen des Planeten, schlängelt sich nicht mehr über den Strand. Jener ist in der Regenzeit unter den Wassermassen nämlich vollständig verschwunden.


Am Eingang zum Markt von Sokoto

Reise nach Sokoto
25.07.2009

Wie die Scharia im Alltag aussieht, wollten wir sehen und sind nach Sokoto gereist, denn dort gilt das islamische Recht. Ehebruch wird mit Tod durch Steinigung belohnt. Allerdings nur wenn sich vier Zeugen für das Vergehen finden. Die Regel lautet also eher, Ehebruch auf einem belebten Marktplatz wird mit dem Tode bestraft. Weiterhin abgemildert wird das hart klingende Gesetz durch den Umstand, dass dem Muselmann bis zu vier Ehefrauen gestattet sind. Bashir, Moslem aus Sokoto, hat uns ohne ironische Brechung nüchtern erklärt, wozu man vier Frauen braucht. »Wenn eine krank ist oder nicht für Dich kochen möchte, dann ist es praktisch weitere Frauen zu haben.« Die Scharia bringt aber auch Gutes, in keinem Teil Nigerias ist die Kriminalität so niedrig wie hier. Nur vor der Armut schützt sie überhaupt nicht, nirgendwo sonst leiden so viele Menschen Hunger, erleben so viele Kinder ihren fünften Geburtstag nicht.


Gurara Falls in der Trockenzeit

Gurara Falls in der Trockenzeit
07.03.2009

Die Anzahl der besuchbaren Attraktionen im Umland von Abuja hält sich bedauerlicherweise in sehr überschaubaren Grenzen. Bedauerlich ist das weil wir mit jedem Besuch an die gleichen Orte fahren müssen. Ich kann die Gurara-Wasserfälle eigentlich nicht mehr sehen. Ein kleines afrikanisches Flüsschen muss die abgebildeten Felsen überwinden, mehr Attraktion ist das nicht. In der Trockenzeit (siehe Bild) plätschert das Wasser leicht vor sich hin und man kann unterhalb des Wasserfalls im seichten Wasser liegen. Am Ufer jedoch achtet man besser aufmerksam auf jede Bewegung am Boden. Farbenfrohe Schlangen, darunter auch die Grüne Mamba, räkeln sich dort gern im Sonnenschein um ihre Körper auf Angriffstemperatur zu heizen.


Harmattan

Harmattan
05.01.2009

Der Harmattan legt seinen milchigen Schleier über Abuja. Es handelt sich um einen Wind, der riesige Mengen Saharastaubs nach Süden trägt - üblicherweise im Januar. Jede horizontale Fläche im Haus ist binnen Minuten verstaubt, so dass man seinen Namen auf den eigentlich frisch gewischten Tisch schreiben kann. Augen und Nasenschleimhäute reagieren pikiert. Selbst die Straßenbeleuchtung ist verwirrt und entzündet sich auch mal am Nachmittag.


Charity

Charity
05.12.2008

Nein, ich musste nicht in die CharitÚ, ich mach jetzt auch in Wohltätigkeit. 47% der Ehrenamtler behaupten, dass sich ihre Gesundheit durch eine solche Aufgabe verbessert hätte. Überzeugt haben mich letztlich die 25%, die dabei sogar abgenommen haben wollen. Britische Wissenschaftler haben das wohl herausgefunden. Da auch ich in Abuja bereits 4 Kilo zugenommen habe, wurde es höchste Zeit, Gutes zu tun. Einmal in der Woche helfe ich nun in einer kleinen Krankenstation für Kinder auf dem Lande. Mister Maikel managt die Aufnahme der kleinen Patienten, pflegt ihre Krankenakten und wenn er damit fertig ist, spielt er mit den Kindern Fußball oder lässt sich an den Armen reiben. Die Kleenen müssen doch mal gucken, ob der weiße Onkel abfärbt.


Hadschi El Mbusse

Hadschi El Mbusse
22.11.2008

Durba heißen Reiterspiele im muslimischen Norden Nigerias. Und zur Belustigung der reichen Hauptstadtbewohner kamen die Herren Reiter nach Abuja um ihre jahrhundertealten Trachten zu präsentieren. Sind wir natürlich gucken gegangen. Einen echten Emir haben wir kennengelernt, der mir ein lichtblaues Gewand überreichte, drei Interviews für das nigerianische Fernsehen musste ich geben und ständig wollte sich jemand mit mir fotografieren lassen, so auch mein temporärer Kumpel auf dem Bild. Rannte im Galopp auf mich zu und fragte, ob er nicht ein Bild von sich mit mir haben könnte. Es gab einfach kaum Weiße auf der Veranstaltung. Und noch weniger kostümierte unter ihnen.


Im Urwald

Im Urwald
03.11.2008

Eine Leprakolonie im gefahrreichen Süden Nigerias sollte besucht werden. Schicke Hotels gibt's dort keine, also haben wir bei einem holländischen Ehepaar genächtigt, unter eher einfachen Verhältnissen, wie man sieht. Ohne Elektrizität, mit braunem Wasser vom Tank auf dem Dach, umgeben von wirklicher Wildnis. Einen schwarzen Skorpion haben wir gesehen, von der Grünen Mamba wurde nur berichtet und Fliegende Hunde haben wir gehört, die haben nachts vor unserem Fenster Schreie ausgestoßen, dass einem das Rückenmark vibrierte. Aber die Bewohner der Kolonie haben für uns ein Kulturprogramm vom Feinsten aufgeboten, mit Tanz, Theater, Gesang und einem nigerianischen Festmahl. Gereist sind wir im kugelsicheren Auto mit Begleitfahrzeug voll bewaffneter Polizei, das Maschinengewehr immer im Schoß. Im Süden Nigerias kontrollieren bewaffnete Banden das Land und nicht der Staat.


Hoppala, da ist ja ein Auto drin

Endlich Einzug
05.09.2008

Nach nur drei Monaten haben die Hafenbeamten von Lagos die Inhaltsbeschreibung des Containers mit all unseren Sachen fertig gelesen. Oder anders: nach nur drei Monaten haben die Hafenbeamten die Hoffnung auf ein Bestechungsgeld zur schnelleren Auslieferung des Containers mit unseren Sachen aufgegeben. Dann noch rasch den Container nach Abuja gefahren, dauert auch noch einmal eine Woche und schwupps steht der Möbelwagen vor der Tür. Doch hoppala, da ist ja ein Auto mit drin. Dafür haben wir ja gar keine Rampe dabei. Doch am gleichen Abend war alles ausgepackt, sogar der niegelnagelneue Geländewagen aus japanischer Produktion. Und statt in diversen Hotelbetten konnte nun wieder im eigenen Kissen geträumt werden.


Zuma Rock

Monte Zumas Rache
23.08.2008

Zunächst eine dringende Bitte: seht Euch das nebenstehende Bild auf keinen Fall an! Ich beschreibe Euch stattdessen, was Ihr darauf sehen könntet, würdet Ihr denn hinsehen. Man sieht Zuma Rock, Afrikas größten Monolithen. Und dieser Berg ist verzaubert. Wer ihn ansieht, dem widerfahren furchtbare Dinge. Haben uns die Nigerianer erzählt. Tatsächlich ist die Autobahn in seiner Nähe ein Unfallschwerpunkt. Zauber? Hexerei? Oder nur Nervenflattern der Kraftfahrzeugführer? Unser nigerianischer Chauffeur fand jedenfalls überhaupt nicht lustig, dass wir stoppen und fotografieren wollten.


Gut Mus feil!

Gut Mus feil!
16.08.2008

Am 29. Juni 2008 bin ich nach Abuja, der Hauptstadt Nigerias, gezogen um dort drei Jahre lang ein völlig neues Leben kennen zu lernen.

Im Gemischtwarenladen: Diese Fachverkäuferin im Städtchen Ushafa, etwa eine Autostunde von Abuja entfernt, verkauft Tomaten, Seife, toten Affen, Kunsthaar, Gebäck, Waschpulver, Öl und natürlich Coca-Cola. Ein Schüsselchen Tomaten kostete in ihrer kleinen aber feinen Verkaufsstelle 12 Cent, in Abuja zahlt man 2,20 Euro.